Im Garten der Fäden

Ausstellung zum Musterarchiv der Möbelstoffweberei Tannenhauer

Beteiligte

Kuration und Display: Eva Howitz und Lena Seik

Historische Schauweberei Braunsdorf
Leitung: Andrea Weigel
Textilingenieurin/Material: Simone Mende
Technische Unterstützung: Frank Hartwig

Performance zur Eröffnung: Marthe Howitz

Fotos: Alexandra Ivanciu, Stefan Krauth
Grafik: Bureau Est (Lisa Petersen/ David Voss)

Besonderer Dank an Maria Bäz für historisches Bildmaterial.

Ausstellungsdauer: 21.04.2019 bis 05.01.2020

Die Ausstellung Im Garten der Fäden ermöglichte erstmalig umfassende Einblicke in das bis dahin wenig erschlossene Musterarchiv der Möbelstoffweberei Tannenhauer, heute Historische Schauweberei Braunsdorf. Wie durch einen Garten wandelnd, arrangiert und assoziiert in stimmungsvollen Raumsituationen, konnten die Besucher:innen zahlreiche Originalentwürfe und -skizzen, Musterzeichnungen und Proben, Dokumente, Textilien und Gegenstände aus der einzigartigen Historie erleben. Die ehemalige Weberei im sächsischen Braunsdorf, gegründet 1883 in Chemnitz, war bis zu ihrer Schließung 1990 ein weltweit renommierter Betrieb. Internationale Bekanntheit erlangte sie durch ihre Biedermeierstoffe mit den typischen Pflanzen- und Blütenmotiven, entwickelte aber auch moderne, preisgekrönte Dessins in der hauseigenen Musterabteilung, die eine ganze Ära der Formgestaltung in der DDR prägten. Das umfangreiche Werk der für die Vielfalt der Formen und Motive verantwortlichen Designer*innen, die Entwicklung der Stoffmuster und ihre Inspirationen wurden den Besucher*innen auf verschiedene Weise zugänglich gemacht. Die Kuratorinnen Eva Howitz und Lena Seik waren gleichermaßen Gestalterinnen wie auch Vermittlerinnen der Ausstellung. Sie näherten sich der Thematik auf verschiedenen Ebenen, und knüpften dadurch ebenso an die unterschiedlichen Erfahrungshorizonte des Publikums an.

Botanik – Viele Stoffe bestehen aus Pflanzenfasern oder Zellulose. Auch in Braunsdorf wurde zumeist mit Baumwolle oder Viskose gewebt. Die Designerin des Hauses, Eva Humburg, war begnadete Gärnterin und ließ sich zu ihren Entwürfen von der Schlichtheit und Anmut heimischer Blumen und Pflanzen inspirieren.
Kunst/Design – Bevor ein Muster gewebt wird, muss es gezeichnet werden. Die Musterzeichnungen aus Braunsdorf verfügen teilweise über ein sehr hohes künstlerisches Niveau. Die Zahl der Blätter ist riesig, nur ein Bruchteil der schönsten Zeichnungen fanden überhaupt einen Weg in die Ausstellung.
Vielfalt – Ebenso herausragend ist die unfassbare Vielfalt der Dessins. An mehreren Stationen waren Anordnungen von Stoffproben zu sehen, um dieses Übermaß an Mustern, Farben und handwerklichen Lösungen sichtbar zu vermitteln.
Geschichte – Anhand der Chronik der ehemaligen Möbelstoffweberei wie auch deren Exponate wurde die Geschichte in bezug auf Textilwirtschaft, Nationalsozialismus, DDR und die Nachwendezeit lebendig und facettenreich erzählt.
Assoziationen – Und wie ein roter Faden zogen sich Gedanken, Erinnerungen und Ideen durch die Ausstellung: Das „Ostsee-Sofa“ war bestückt mit Textilien, die Namen trugen wie Baabe und Zingst. In dem antiken Herbarium einer Apothekerin im Ruhestand konnte Beinwell beschaut werden, eine alte Heilpflanze, die auch auf den Wiesen im Zschopautal wächst. Fotografische Funde zeigten Christa Wolf sitzend auf einem Polsterstoff aus Braunsdorf…

Im September 2019 wurden im Rahmen einer Residenz lokale und überregionale Künstler*innen eingeladen, sich mit der Schauweberei, der Geschichte oder dem Ort auseinander zu setzen. Die entstandenen Arbeiten und Prozesse wurden in die Ausstellung implementiert.

Zur Ausstellung fand ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Filmscreenings, Gesprächsrunden, Workshops mit Schüler:innen zu Nachhaltigkeit in der Textilindustrie sowie einer Zukunftswerkstatt mit Expert:innen zu Tradition und Zukunft des textilen Standorts Sachsen statt.

Hier geht es zur ausführlichen Dokumentation des Projektes Im Garten der Fäden >>> (folgt in Kürze)

Plakat Ausstellung "Im Garten der Fäden"