Tuchmacherhaus Hainichen

2. November 2022

Aufruf

Tuchmacherhaus Hainichen

Weber:innen gesucht

Nach der Sommerpause steht für uns der erste Partner:innenbesuch an. Wir reisen nach Hainichen, ein bis in die 1990er Jahre wichtiger Textilstandort. Von Färberei, Lederfabrik bis zur Plüschweberei und Leinenweberei. Hainichen war Textilstadt durch und durch. Unser Besuch führt uns in das Tuchmacherhaus Hainichen. Uns empfängt die historisch wunderschön erhaltene Bausubstanz aus dem Jahr 1784. Liebevoll wird das Tuchmacherhaus heute von engagierten ehemaligen Weber:innen aus der Plüschweberei und von branchenfernen ehrenamtlichen Personen betreut. Die Plüschweberei ist leider Geschichte, das Gebäude wurde abgerissen und nun steht ein Discounter auf dem Grund und Boden der beruflichen Geschichte, vieler Mitarbeiter:innen des Tuchmacherhauses. Die verlorene Vergangenheit rührt die ehrenamtlichen Mitglieder und ehemaligen Weber:innen bis heut zu Tränen. Das geballte Wissen um Weberei (Doppelplüsch) und das Wissen um die langen Wege zu einem Textilerzeugnis sind wach. Die Ehrenamtlichen Personen ab 70 Jahren aufwärts haben sich nach dem Verlassen-müssen der Plüschweberei, das Handwerk der Handweberei selbst beigebracht. Sie wollen das Weben lebendig halten.

Ehrenamtliche Tuchhaus Hainichen

Und dies tun Sie auch, auf insgesamt 5 Handwebstühlen. Ein Jacquardwebstuhl verständig bedient von Frau Hennig und Herrn Fröhlich, zwei Schaftwebstühle, die orgelgleich von Frau Ott und Frau Hennig gesteuert werden und ein von Frau Liebe Bähr bedienter sogenannter Hochwebstuhl bilden das Herz des Museums. Den 5. Webstuhl mit Schaftmaschine, auf dem ausschließlich Beiderwand  hergestellt wird, betreibt ausschließlich Herr Fröhlich.

Frau Hennig am Schaftwebstuhl

Herr Fröhlich am Jaquardwebstuhl

Herr Fröhlich am Jacquardwebstuhl

Der komplette Prozess vom Spulen über das Kettbaumschären, bis hin zum fertigen Gewebe lässt sich von Besucher:innen jeden Alters theoretisch und praktisch in Erfahrung bringen. Es fehlt dem Verein leider an jungen Menschen. An Nachwuchs. Die vormaligen Besitzer, die Familie Kühn, haben große Verdienste für das Webhandwerk und damit auch für die Stadt Hainichen vollbracht. Bis in die späten 1980er Jahre standen, Interessierte und Käufer:innen in Schlangen vorm Tuchmacherhaus um die handgewebten Unikate zu erwerben. Die textile Kultur wurde geliebt und gelebt. Familie Kühn bildete aus. Dann kam der wohlverdiente Ruhestand und die Webmaschinen wurden der Stadt Hainichen vermacht. Der Verein gibt sich alle Mühe das kulturelle Erbe zu erhalten.

Spulmaschine

Spulmaschine

Schärmaschine

Schärmaschine

gewebtes Beiderwand

gewebtes Beiderwand

Es wird auf allen Maschinen gewebt und die textilen Erzeugnisse, Tücher, Kissenbezüge und andere Heimtextilien können im Museum und auf Märkten in der Umgebung erworben werden. Nun ist die Zukunft des Museums und der Weberei unklar. Und wir rufen: Auf zu neuen Ufern! Alle Handweber:innen da draussen, stellen Sie sich vor Sie können in einem wunderschönen historischen Haus ihrem Handwerk fröhnen, dabei durchaus auch Wissen vermitteln und die entstehenden Produkte vor Ort oder über welche Wege auch immer vertreiben. Gesucht werden engagierte webende Personen, die im Handwerk und der Vermittlung dessen Ihre Zukunft visionieren können. Wir sind in jedem Falle sehr angetan von Ort, Gegebenheiten, Offenheit gegenüber der Zukunft und neu beschreitbaren Wegen, die das Tuchmacherhaus durchaus bereit ist zu gehen. Denn: „So geht es nicht ewig.“ sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Herr Wohllebe, „wir sind einfach zu alt”. Da es doch aber schon eine halbe Ewigkeit ging, bitten wir alle Interessierten sich bei uns zu melden. Denn was nicht ist kann ja noch ewig werden!

Stoffmuster
Stoffmuster

Auf zu neuen Ufern!

Liebe Handweber:innen, kontaktiert uns unter: hallo@lokaltextil.de, wenn ihr Interesse an einer neuen Zukunft habt. Wir stellen gern Kontakt zu den richtigen Ansprechpartner:innen vor Ort her.

DANKE
Simul+
Mitmachfond!

Die Inhalte für dieses Profil konnten wir mit Hilfe von Mitteln des Simul+Mitmachfonds erstellen.

Eine Maßnahme des Sächsischen Staatsministerium für Regionalentwicklung, mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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