Tisch 3 – Label, Logo, Brand

Wir alle haben etwas an. Jeden Morgen entscheiden wir neu, was wir tragen – manche von uns unbewusst, manche sehr bewusst. Das was wir tragen, sagt etwas über uns. Doch nicht nur darüber entscheiden wir. Warum tragen wir das Logo einer bestimmten  Marke freiwillig an unserem Körper? Warum ist etwas cool oder uncool? Und wer entscheidet darüber?

 

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Expert:innen lokaltextil

Wir beschäftigen uns schon sehr lang mit Kleidung und den Aussagen die darüber getroffen werden. Wir alle kommunizieren mittels Formen, Dessin, Farbe und Texturen. In verschiedenen Vortrags – und Workshopformaten vermitteln wir, was Nonverbale Kommunikation bedeutet, wie Kleidung unsere Identität unterstützt. Wie interessant und hilfreich es ist in unseren Kleidern zu lesen. Wir freuen uns, wenn ihr Lust auf einen Workshop oder Vortrag mit Eva Howitz, Lena Seik und/oder Marcus Pester-Weißbach von lokaltextil habt. Meldet euch gern unter: hallo@lokaltextil.de

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Vorsatzpapier Hunderunde

Wir arbeiten an der Veröffentlichung unseres Kinderbuches Hunderunde – Wie weit wir für unsere Kleidung gehen(AT). Hier sehen wir das Vorsatzpapier. Das ist der Schmuck der Innenseite, wenn ein Buch aufgeklappt wird.

Nadine Prange ist unsere Illustratorin. Sie hat das Vorsatzpapier gezeichnet. Es ist sehr lustig. Die sichtbaren Logos sind spielerisch verändert. Umgelabelt sozusagen. Versace wird zu Versagen. Levis zu Elvis und Chanel ist Schade. Unser Buch erklärt jeder Person, was es auf sich hat mit den Logos, Labels, Marken und Brands. Warum wir uns anziehen. Wie wir uns anziehen. Und warum es sich lohnt und es Spaß macht, genauer hinzuschauen.

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H&M Pyjama

Diesen gepunkteten Pyjama der Marke H&M haben wir auf der Straße gefunden. In einer “Geschenke-Kiste”. Allein diese Tatsache regt uns zum Nachdenken an.

Nahaufnahme –> Wäscheschild

Es ist sehr interessant die Schilder in unserer Kleidung genau anzusehen. In ihnen zu lesen.

Welche Größe? Weltweit?

Made in Bangladesh

Pflegehinweise siehe 8_

Wir können herausfinden aus welchen Fasern das Kleidungsstück besteht.

Zu welchen Anteilen.

Dabei wird der Prozentual größte Anteil immer zuerst erwähnt.

Das vorliegende Stück besteht aus 100% Baumwolle.

Auf dem Schild in 34 Sprachen übersetzt.

Die Knöpfe sind selbstverständlich nicht aus Baumwolle.

Die Wäscheschilder auch nicht.

Das Garn welches die Teile zusammenhält auch nicht.

Diese Fakten finden keine Erwähnung.

Auch dass es sich um ein Gewebe und kein Gestrick handelt, steht nirgends geschrieben.

Der Stoff wurde wahrscheinlich mit Rouleaux-Druck, mittels Punktedessin, veredelt.

Auch dies wird nicht erwähnt.

 

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Was sage ich heute mit meiner Kleidung aus?

FRAGE

 

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Das Nationaltrikot und sein Geheimnis

Das deutsche Nationaltrikot für die WM 2022 wurde vom Unternehmen adidas „hergestellt“. Der Sportartikelhersteller ist offizieller Partner des DFB. HIER ist eine Recherche zum deutschen Nationaltrikot und den verwendeten Ressourcen zu lesen.

Triggerwarnung Greenwashing: Recyclingfaser, Un(f)aire Arbeitsbedingungen und Meeresplastik.

Gegründet wurde das Recherchekollektiv Flip 2020, mitten in der Corona-Krise. Die Recherchen und Empfehlungen kann man nicht kaufen. Flip sind unabhängig und unbestechlich. Wir empfehlen den Newsletter uneingeschränkt zum Abonnement.

Im April 2024 hat der Sportartikelhersteller adidas bekannt gegeben, die Zusammenarbeit mit Parley zu kündigen. Damit wird das Engagement im Bereich oceanplastic komplett aufgegeben denn, adidas engagiert sich bereits in vielfältigen Nachhaltigkeitsprojekten. Auch dazu gibt es einen Artikel auf www.letsflip.de .

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Bibliothek

Exactitudes

Ari Versluis & Ellie Uyttenbroeks

1994 startet das Langzeitfotoprojekt der Fotograf:innen in Rotterdam. Es werden Personen, die eine Reihe von visuellen Merkmalen aufweisen, die sie bestimmten sozialen Typen zuordnen portraitiert. Ob Gabbers, Glamboths, Mohawks, Rockers oder The Girls from Ipanema. Versluis und Uyttenbroeks erkennen spezifische Kleidungscodes, Verhaltensweisen oder Einstellungen, die beispielsweise zu bestimmten Subkulturen gehören oder soziale Gruppen charakterisieren. Der Fotoband entwickelt sich von Jahr zu Jahr weiter und versammelt in einem Bilderraster jeweils 12 Personenportraits pro Seite.

www.exactitudes.com

Kleider machen Leute

Herlinde Koelbl

In Kleider machen Leute fragt Herlinde Koelbl nach den Veränderungen des Menschen durch das Tragen einer Uniform. Wie ändert sich das Selbstbewusstsein, der Gang, das Körpergefühl und dadurch dann das Verhalten. Gibt es eine größere Anerkennung, einen größeren Respekt, eine größere Sicherheit, ein mutigeres, ein patriotischeres Empfinden? Wie verändert sich das Gruppenverhalten durch die gemeinsame Kleidung? Werden Hierarchie und Befehle leichter akzeptiert? Wie wichtig ist die Standeskleidung für den Menschen? Für den Chefarzt in Weiß, den Fahrer in der Uniform, den Steward, den McDonalds-Verkäufer oder den Maitre? Welche Wirkung erzielt der Uniformträger und wie ist die Wechselwirkung zwischen Betrachter und Uniformiertem?

MY PARENTS

Thái-Công

An Homage to Fashion, Photography and Life

Der Stylist verwandelt seine Eltern in Versace – Fans, Gucci – People und viele weitere Welten mehr. Gemeinsam mit Fotograf:innen entwickelt Thái-Công Settings die den Betrachter:innen die Wirksamkeit und Magie von Mode und Styling visualisieren. Das Leben kann so viele Verwandlungen bedeuten. Wir können so viel sein und werden, können spielen und Aussehenserwartungen erzeugen, Codes setzen, verwirren und abholen. Unsere Kleider als Ästhetisches Spiel zu begreifen, dazu lädt dieses Buch ein.

 

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Bruno Banani

Klingt italienisch. Ist aber eine Marke aus Chemnitz. Das Unternehmen wurde am 1. November 1993 von Betriebswirt Wolfgang Jassner als Mehrheitsgesellschafter und Klaus Jungnickel in Mittelbach (heute Chemnitz ) in den Gebäuden des ehemaligen Volkseigenen Betriebs VEB Trikotex gegründet. Zunächst wurde mit 15 Näherinnen Designerunterwäsche für Herren, alsbald auch für Damen produziert, schließlich auch Bademode. Im Jahr 1999 zog das Unternehmen nach Chemnitz um, wo rund 120 Mitarbeiter in der Fertigung beschäftigt waren und jährlich rund 1 Million Wäscheteile hergestellt wurden. Seit 2019 wird ausschließlich in Asien über Produktionsdienstleister produziert.

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Grüner Knopf

Das sagt das Siegel über sich selbst:

Der Grüne Knopf ist ein staatliches Siegel für nachhaltige Textilien. Das Besondere: Es ist das erste Siegel, das systematisch prüft, ob Unternehmen Verantwortung für die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards in ihren Lieferketten übernehmen.”

Und das sagt Lets Flip über den Grünen Knopf:

“Wer aber macht das dann? Nun wird es noch komplizierter. Denn der Grüne Knopf ist ein Meta-Siegel. Das heißt: Dort, wo es konkret wird, bei der Überprüfung vor Ort, verlässt er sich auf andere Siegel, die die Bundesregierung für glaubwürdig hält. Im Fall des Kleides ist das unter anderem der Global Recycled Standard (GRS). Er soll sicherstellen, dass Produkte aus recycelten Materialien ökologisch und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden. Als wir mehr über das Siegel lesen, sind wir überrascht. Denn: Entwickelt wurde es von Control Union, jener Organisation, mit der wir schon zu tun hatten. Sie hat die Rechte an dem Siegel 2011 an eine andere Organisation übertragen, führt als Zertifizierer aber nach wie vor Prüfungen durch. Auch im Fall des Lidl-Kleids lautet die Nummer des GRS-Zertifikates: CU 851646. CU steht für Control Union. Wir landen also doch wieder beim Zertifizierungsunternehmen, dessen Mitarbeiterin uns erklärt hat, die Herstellung der Produkte in den Ursprungsländern nicht zu prüfen, da dies bereits geschehen sei. Wir drehen uns im Kreis.” Die vollständige Recherche kann hier gelesen werden.

Die Welt der Textilsiegel ist undurchsichtig. Es gibt mittlerweile sehr viele Siegel und oftmals keine wirkliche Möglichkeit zu überprüfen, wer die Siegelversprechen überprüft. Auf der Webseite: https://www.ci-romero.de/labelchecker versuchen die Mitarbeiter:innen der CI – Romero Licht ins Labeldunkel zu bringen.

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COOL AUSSEHEN – Mode & Jugendkulturen

Wir kommunizieren mit Hilfe unserer Kleidung. Ob bewusst oder unbewusst. Wir transportieren über unsere zweite Haut unser Selbst und wie wir wahrgenommen werden wollen. Wir werden von Anderen gesehen und beobachtet. Das spannende Buch COOL AUSSEHEN wurde herausgegeben von Diana Weis. Es informiert zu Kleidercodes, Herkünften und Hintergründen einzelner Fashion Items und Jugendsubkulturen. Ob Metal-Kutte, Popperknigge, Hedonistischer Protest in der DDR oder Die Sozialisation der Bomberjacke, das Buch liefert Tiefgang. Und ist auch optisch eine interessante Reise. Nach der Lektüre können wir uns noch bewusster kleiden.

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Film „Advanced Style“

Regie: Lina Plioplyte

Drehbuch: Ari Seth Cohen/ Lina Plioplyte

USA, 2014

Im Film werden sieben Frauen aus New York City im Alter von 62 bis 95 Jahren porträtiert. Alle Frauen wurden von Cohen für seinen Blog fotografiert und stellen mit ihrer Mode konventionelle Vorstellungen von Schönheit, Altern und Jugendwahn in Frage. Der Film enthüllt das Privatleben der Porträtierten und ihre persönlichen Philosophien über Mode, Körperbild und Selbstvertrauen.

Advanced Style dokumentiert auch die Geschichte von Cohens Blog, den er ursprünglich ins Leben gerufen hatte, um den Verlust seiner Großmutter mütterlicherseits zu verarbeiten. Cohen ist der Überzeugung, dass Schönheit nicht nur eine Domäne der Jugend sein sollte.

 

 

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Internationale Symbole für die Pflegebehandlung von Textilien

Die Angabe von Textilpflegesymbolen ist nicht vorgeschrieben, hilft aber beim Waschen und Reinigen, das richtige Verfahren auszuwählen. Und sichert die Hersteller:innen rechtlich ab vor “Pflegeschäden”.

Der Waschbottich ist das Symbol für Waschen. Die Zahl zeigt die Temperatur in Grad an, mit der die Stücke gewaschen werden können. Ein zusätzlicher Strich, zeigt Schonwäsche an und eine Hand, die Handwäsche.

Das Dreieck steht für Chloren, entweder möglich oder nicht.

Das Bügeleisen zeigt uns ob, und wie heiß ein Kleidungsstück gebügelt werden darf. Je mehr Punkte, desto mehr Hitze.

Der Kreis symbolisiert die Chemischreinigung.

Die Hinweise zur Trocknung werden mittels des Kreis-im-Quadratsymbol angezeigt.

 

RUDIS SHIRTS Symbole drunter als Bild und verlinken zu RUDIS auf lokaltextil (https://www.lokaltextil.de/rudi-home/)

 

Wenn ein RUDIS Shirt schmutzig ist, darf es bei 30°C mit befreundeten hellen Farben in der Waschmaschine gewaschen werden. Es darf nur bei leichter Temperatur gebügelt werden und nicht in den Trockner, nicht mit Chlorbleiche behandelt und nicht chemisch gereinigt werden.

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RUDIS T-Shirt bestickt

Was passiert mit einem Kleidungsstück, wenn wir die Marke einfach selbst aufsticken? In unserem Fall haben wir unserem RUDIS Shirt einen Nike Swoosh hinzugestickt. Wird das Kleidungsstück wertvoller, weil ein Logo drauf ist? Was macht das Logo mit unserer Wahrnehmung? Möchtet ihr einen Stickworkshop mit lokaltextil erleben dann meldet euch!

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RASS – Sportschuhe

Die Sneaker ähneln dem Modell Gazelle der Marke adidas stark. Das liegt daran, dass der Sportschuhhersteller RASS bis vor ein paar Jahren für die Produktion des Sportschuhmodells Gazelle verantwortlich war. Im vogtländischen Schönheide werden seit 1975 auch Spezialsportschuhe, beispielsweise Skisprungschuhe gefertigt. Mittlerweile hat die Adidas AG hat die Produktion in Niedriglohnländer verschoben. Die nahezu identischen Modelle im charakteristischen RASS – Design können für ca. 90 Euro auf Anfrage online oder vor Ort gekauft werden. Es besteht die Möglichkeit aus verschiedenfarbigen Ledern zu wählen und sich ein ganz persönliches lokales Paar Schuhe anfertigen zu lassen.

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fashion against fascism

Die Initiative ist ein Zusammenschluss vieler auch sehr großer Unternehmen. Es geht um das Aufdecken von rechten Codes. Kleidung kommuniziert immer. Auch direkt mit Hilfe von Aufdrucken. Zahlen, Worten, Bildern. Das macht sich auch die rechte Szene zu nutze. Teilweise sind die Codes so indirekt, dass sie nur von Insidern gelesen werden können. Das ist schlecht, weil auch Unternehmen die nicht rechter Gesinnung sind unwissend Textilien mit rechten Codes verbreiten. Das gilt es zu verhindern. fashion against fascism ist ein Tool zu mehr Bewusstsein und Information. Die Plattform lädt ein das Lexikon der rechten Codes zu befüllen. Eine Art Decodiermaschine zu erarbeiten. So können alle miteinander, voneinander lernen.